Samstag, 15. Oktober 2011

Des Ruhmes Begleiter ist der Neid


Grün vor Neid

Warum andere anscheinend immer mehr haben als man selbst

„Neid ist des Ruhms Begleiter.“ Dieser Ausspruch stammt von dem römischen Geschichtsschreiber Cornelius Nepos. Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe formulierte es in „Die Vögel“ noch drastischer: „Neider sind Feinde.“ Vor allem wenn zum Neid die Eifersucht und die Missgunst hinzukommen. In TV-Soaps wie der amerikanischen Erfolgsserie „Reich und Schön“ wird eifrig um Geld, Macht und Liebe intrigiert. Aber auch das reale Leben ist voll von Beispielen, wo Neider dem Konkurrenten Fallen stellen. Wer erinnert sich nicht an die so genannte „Eishexe“ Tonya Harding, die der schönen Widersacherin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange auf das Bein schlagen ließ. Rolf Haubel, Professor für Psychologie an der Universität Augsburg erklärt den Willen zur Vergeltung so: „Der Rachedurst des Neiders sei gelöscht, wenn er dem Beneideten so geschadet hat, wie er sich von ihm geschädigt erlebt.“ Bei dieser Rache geht es allerdings nicht nur darum, dass der andere angeblich überlegen ist, sondern dem Neider nicht unterlegen. 

Nicht alle Menschen, die einen Stich in der Brust verspüren, wenn ein anderer auf das Siegertreppchen steigt, sind rachsüchtig. Manchen reichen feindselige Bemerkungen oder die reine Schadenfreude, um die Gefühle der Ungleichheit auszubalancieren.
Interessanterweise will der Neider einfach nur das besitzen, was der andere hat. Egal, ob er daraus einen Vorteil hat oder auch nicht. Die Werbung schürt diesen Neid mit Slogans wie „Mein Haus. Mein Auto. Mein Pferd.“ Aber macht die Jagd nach immer mehr materiellem Wohlstand wirklich glücklich? Machen Besitztümer froh? Aus der Beobachtung von Lottogewinnern ist bekannt, dass viele mit dem plötzlichen Reichtum nicht umgehen können. Nicht wenige, die ihr Geld verprassten, hatten schon bald nichts mehr davon übrig oder sogar Schulden. Und jede Menge falscher Freunde. Weiter ist der Mensch ein Gewohnheitstier, wie die Forschung weiß. Thomas Hohensee, lösungsorientierter Berater aus Hamburg: „Die Anpassungsfähigkeit des Menschen ist enorm.“ Amerikanische Psychologen stellten fest, dass alle Emotionen - egal ob auf ein schreckliches oder glückliches Ereignis - mit der Zeit ausbalanciert werden. Hochgefühle und tiefe Trauer verblassen schon nach Wochen oder Monaten. 

Für Neidische dürfte die Befragung der reichsten Männer Amerikas interessant sein. Denn daraus ging hervor, dass 37 Prozent der Milliardäre mit ihrem Leben unzufriedener waren als der Durchschnitt. Dennoch kommt bei neidischen Menschen Schadenfreude auf, wenn auch Prominente in der Klatschpresse durch den Kakao gezogen werden. Wenn Victoria Beckham unter Essstörungen leidet und als „Lollipop“ bezeichnet wird, kann sie trotz ihres immensen Reichtums sogar bemitleidet werden. Gleichzeitig ist sie im Grunde der Beweis dafür, dass Geld und materieller Wohlstand eben nicht automatisch glücklich machen. Wenngleich Armut oder die Abhängigkeit von Hartz IV ganz sicher auch kein Zuckerschlecken sind.

Existentielle Sorgen machen krank, allerdings sind unter diesen Menschen nicht unbedingt die Neider zu finden. Der Psychologe und Gruppenanalytiker Rolf Haubl entlarvt hingegen die Kaufsüchtigen als besonders neidisch. Er begründet dies in seinem Buch „Neidisch sind immer nur die anderen“ (C.H. Beck) so: „Was geneidet wird, sind nicht die Konsumgüter selbst, sondern die Fähigkeit der anderen, ihren Kauf und das Produkt auch zu genießen. Kaufsüchtigen gelingt dies nicht.“ Neider sind Menschen, die das, was sie haben, gar nicht schätzen können. Tragischerweise liegt die Wurzel für Neidbereitschaft in der Kindheit begründet. „Solche Personen dürfen sich bereits als Kinder nicht erproben, um selbst herauszufinden, wozu sie neigen. Statt dessen werden sie von ihren Familen starren Leistungsforderungen unterworfen“, erläutert Professor Rolf Haubl. Auch die Kultur des Landes spielt eine Rolle. Niederländer sind weniger reich als viele Deutsche aber zufriedener. Sinnvoll ist es, sich nicht mit anderen zu vergleichen und besser nach innen zu schauen. 
© Corinna S. Heyn

Geht ein US-Amerikaner mit seinem Freund spazieren. Kommt ein großer Cadillac vorbei. Sagt der Amerikaner zu seinem Freund: „So einen Wagen fahre ich auch mal!“ - Geht ein Deutscher mit seinem Freund die Straße entlang, fährt ein BMW vorbei. Sagt der Deutsche zu seinem Freund: „Der Typ geht auch noch mal zu Fuß.“

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