Grün vor Neid
Warum andere anscheinend
immer mehr haben als man selbst
„Neid ist des Ruhms
Begleiter.“ Dieser Ausspruch stammt von dem römischen Geschichtsschreiber
Cornelius Nepos. Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe formulierte es in „Die
Vögel“ noch drastischer: „Neider sind Feinde.“ Vor allem wenn zum Neid die
Eifersucht und die Missgunst hinzukommen. In TV-Soaps wie der amerikanischen
Erfolgsserie „Reich und Schön“ wird eifrig um Geld, Macht und Liebe intrigiert.
Aber auch das reale Leben ist voll von Beispielen, wo Neider dem Konkurrenten
Fallen stellen. Wer erinnert sich nicht an die so genannte „Eishexe“ Tonya
Harding, die der schönen Widersacherin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange auf
das Bein schlagen ließ. Rolf Haubel, Professor für Psychologie an der
Universität Augsburg erklärt den Willen zur Vergeltung so: „Der Rachedurst des
Neiders sei gelöscht, wenn er dem Beneideten so geschadet hat, wie er sich von
ihm geschädigt erlebt.“ Bei dieser Rache geht es allerdings nicht nur darum,
dass der andere angeblich überlegen ist, sondern dem Neider nicht unterlegen.
Nicht alle Menschen, die einen Stich in der Brust verspüren, wenn ein anderer
auf das Siegertreppchen steigt, sind rachsüchtig. Manchen reichen feindselige
Bemerkungen oder die reine Schadenfreude, um die Gefühle der Ungleichheit
auszubalancieren.
Interessanterweise will der
Neider einfach nur das besitzen, was der andere hat. Egal, ob er daraus einen
Vorteil hat oder auch nicht. Die Werbung schürt diesen Neid mit Slogans wie
„Mein Haus. Mein Auto. Mein Pferd.“ Aber macht die Jagd nach immer mehr
materiellem Wohlstand wirklich glücklich? Machen Besitztümer froh? Aus der
Beobachtung von Lottogewinnern ist bekannt, dass viele mit dem plötzlichen
Reichtum nicht umgehen können. Nicht wenige, die ihr Geld verprassten, hatten
schon bald nichts mehr davon übrig oder sogar Schulden. Und jede Menge falscher
Freunde. Weiter ist der Mensch ein Gewohnheitstier, wie die Forschung weiß.
Thomas Hohensee, lösungsorientierter Berater aus Hamburg: „Die
Anpassungsfähigkeit des Menschen ist enorm.“ Amerikanische Psychologen stellten
fest, dass alle Emotionen - egal ob auf ein schreckliches oder glückliches
Ereignis - mit der Zeit ausbalanciert werden. Hochgefühle und tiefe Trauer
verblassen schon nach Wochen oder Monaten.
Für Neidische dürfte die Befragung
der reichsten Männer Amerikas interessant sein. Denn daraus ging hervor, dass
37 Prozent der Milliardäre mit ihrem Leben unzufriedener waren als der
Durchschnitt. Dennoch kommt bei neidischen Menschen Schadenfreude auf, wenn
auch Prominente in der Klatschpresse durch den Kakao gezogen werden. Wenn
Victoria Beckham unter Essstörungen leidet und als „Lollipop“ bezeichnet wird,
kann sie trotz ihres immensen Reichtums sogar bemitleidet werden. Gleichzeitig
ist sie im Grunde der Beweis dafür, dass Geld und materieller Wohlstand eben
nicht automatisch glücklich machen. Wenngleich Armut oder die Abhängigkeit von
Hartz IV ganz sicher auch kein Zuckerschlecken sind.
Existentielle Sorgen machen
krank, allerdings sind unter diesen Menschen nicht unbedingt die Neider zu
finden. Der Psychologe und Gruppenanalytiker Rolf Haubl entlarvt hingegen die
Kaufsüchtigen als besonders neidisch. Er begründet dies in seinem Buch
„Neidisch sind immer nur die anderen“ (C.H. Beck) so: „Was geneidet wird, sind
nicht die Konsumgüter selbst, sondern die Fähigkeit der anderen, ihren Kauf und
das Produkt auch zu genießen. Kaufsüchtigen gelingt dies nicht.“ Neider sind
Menschen, die das, was sie haben, gar nicht schätzen können. Tragischerweise
liegt die Wurzel für Neidbereitschaft in der Kindheit begründet. „Solche
Personen dürfen sich bereits als Kinder nicht erproben, um selbst
herauszufinden, wozu sie neigen. Statt dessen werden sie von ihren Familen
starren Leistungsforderungen unterworfen“, erläutert Professor Rolf Haubl. Auch
die Kultur des Landes spielt eine Rolle. Niederländer sind weniger reich als
viele Deutsche aber zufriedener. Sinnvoll ist es, sich nicht mit anderen zu
vergleichen und besser nach innen zu schauen.
© Corinna S. Heyn
Geht ein US-Amerikaner mit seinem Freund
spazieren. Kommt ein großer Cadillac vorbei. Sagt der Amerikaner zu seinem
Freund: „So einen Wagen fahre ich auch mal!“ - Geht ein Deutscher mit seinem
Freund die Straße entlang, fährt ein BMW vorbei. Sagt der Deutsche zu seinem
Freund: „Der Typ geht auch noch mal zu Fuß.“
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